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Hochwertige Kunststoffe aus Mühlheim

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Firma Sattler färbt Vorprodukte ein

Von Marc Kuhn

Mühlheim

Kunststoffe aus Mühlheim hat so ziemlich jeder Deutsch schon mal angefasst oder in der Hand gehabt – ohne es zu ahnen. Wer den Lichtschalter betätigt oder mit einem hochwertigen Stift schreibt, der hat mit großer Wahrscheinlichkeit Kontakt mit ihnen. „Wir färben Kunststoffe ein“ sagt Michael Trapp in Mühlheim unserer Zeitung. „Das ist die einfachste Bezeichnung.“ Sie würden für die Herstellung „langlebiger Gebrauchsgüter“ verwendet, erklärt der Geschäftsführer der Sattler KunststoffWerk GmbH. Gemeint sind damit unter Anderem Leuchten und kleine Haushaltgeräte. Der mit Abstand größte Bereich seien die Schalterprogramme, berichtet Trapp. Sie würden ungefähr zweidrittel des Umsatzes ausmachen, der im vergangenem Jahr 4,8 Millionen Euro betragen habe. In den Hallen an der Carl – Zeiss – Straße werden zerkleinerte Kunststoffe angeliefert. Nach genauer Abstimmung der Anforderungen mit dem Kunden wird eine Rezeptur ausgearbeitet. Die Vorprodukte werden mit Farbmitteln und Additiven gemischt, eingeschmolzen, abgekühlt und erneut zu Granulat verarbeitet, erläutert Betriebsleiter Andreas Stetter. Meist würden einige Tonnen hergestellt, möglich sei auch die Auslieferung von kleineren Mengen. An fünf Produktionslinien kann die Fertigung laufen. „Wir produzieren in drei Schichten rund um die Uhr“, sagt Trapp. Kunden wie der Schreibgerätehersteller Lamy schmelzen den Kunststoff aus Mühlheim ein und spritzgießen ihre Stifte daraus. „Wir produzieren nur nach eingehenden Aufträgen, nicht auf Vorrat“, erklärt Trapp. So sei es möglich, die Details auf jede Anwendung genau abzustimmen. „Wir betreiben einen hohen Aufwand, um die Qualität zu sichern“ erläutert Stetter. Wachstum sei nicht erstes Ziel seines Unternehmens, berichtet Trapp, es sei höchstens ein Mittel zum Zweck. Ziel sei die langfristige Existenzsicherung. „Ich habe die Rentabilität im Blick. Die Eigenständigkeit darf nicht in Gefahr geraten“, sagt der Geschäftsführer, der 20 Menschen beschäftigt. Er habe unmittelbar nach dem Studium die Selbstständigkeit angestrebt, erklärt der Diplomkaufmann. 1989 übernahm er das Ende der 50er – Jahre vom Ehepaar Sattler gegründete Unternehmen, an dem zeitweilig sein Vater beteiligt war. Damals sei es ein Sanierungsfall gewesen. Die Übernahme war „waghalsig“, erinnert sich Trapp. Zunächst habe er viel Lehrgeld gezahlt. Der entscheidende Schritt sei schließlich die Integration der zwei Sparten des Unternehmens zu einem einheitlichen Ganzen gewesen – das Einfärben und das Recycling. Heute verwende Sattler überwiegend Sekundärrohstoffe, erklärt Trapp. So werde die Herstellung wirtschaftlicher. „Wir liefern hochwertige Kunststoffe auf dem Qualitätsniveau von Neuware.“ Das erste „gesunde Ergebnis“ habe Sattler zur Jahreswende 1994/95 erwirtschaftet, berichtet der Geschäftsführer. Die Rezession trifft jetzt auch den Mittelständler. In diesem Jahr erwartet Sattler ein weiteres Minus beim Umsatz in Höhe von fünf bis zehn Prozent. „Im Herbst 2007 endete der jahrelange Wirtschaftsaufschwung“, sagt Trapp. Die Aufträge gingen minimal, aber stetig zurück. Nach der Pleite von Lehmann Brothers im September habe auch sein Unternehmen „ein Schlag getroffen, die Auftragseingänge halbierten sich von einem auf den anderen Tag“. Drei Mitarbeiter habe er entlassen müssen und kurz davor gestanden, Kurzarbeit zu beantragen. Doch seit Mitte Dezember gehe es wieder aufwärts, berichtet Trapp. „Der Betrieb ist wirtschaftlich gesund und soll es auch bleiben.“