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Mehr Arbeit durch Mehrarbeit

Von Michael Trapp
Presseinfo des Forums Mittelstand der IHK Offenbach vom 9. August 2004 externer_link.gifwww.der-mittelstand-steht-auf.de

 

trapp_granulate.gifDer Arbeitsmarkt in Deutschland ist nach wie vor in einem kritischen Zustand. Fast 4,3 Mio. Menschen in Deutschland sind derzeit arbeitslos. Rechnet man die Arbeitskräfte, die in Weiterbildungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit und ABM-Maßnahmen beschäftigt sind dazu, sind knapp 7 Mio. Menschen nicht aktiv an der Erwirtschaftung des deutschen Bruttosozialprodukts beteiligt. Gefragt nach dem Hauptgrund für die Zurückhaltung bei der Einstellung neuer Mitarbeiter nannten 80 % der Unternehmen die hohen Arbeitskosten, so das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Eine besondere Belastung stellen die Lohnnebenkosten dar - Kosten, die vom Arbeitgeber aufgebracht werden müssen, für die er aber keine unmittelbare Gegenleistung des Arbeitsnehmers erhält. Im Jahr 2003 kommen nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft pro 100 € Lohn, die an den Arbeitnehmer gezahlt werden weitere 77,10 € dazu - der Arbeitnehmer erhält für seine Leistung 100 € auf der Abrechnung, den Arbeitgeber kostet die Leistung 177,10 €. "Ein wesentlicher Treibsatz für die Explosion der Lohnnebenkosten ist die kontinuierliche Reduzierung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich und vollen beziehungsweise anteilig gesteigerten Lohnnebenkosten", meint Michael Trapp, Geschäftsführer der Sattler KunststoffWerk GmbH in Mühlheim "Vor allen Dingen die großen Unternehmen, sprich die tarifgebundenen Unternehmen, haben innerhalb der vergangenen Jahrzehnte auf Druck der Gewerkschaften die Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich reduziert." Insgesamt schultern dadurch immer weniger Erwerbstätige bei immer geringer Arbeitsleistung den Block der Sozialabgaben für immer mehr Menschen. Das macht Arbeit teuer. Die Arbeitgeber entziehen sich diesem Kostenfaktor indem die Privathaushalte Arbeit ohne Lohnnebenkosten einkaufen, das heißt Schwarzarbeit in Auftrag geben. Die Unternehmen kaufen zunehmend Arbeit im Ausland ein, weil dort die Lohnnebenkosten geringer sind. Der Ausstieg aus der deutschen Abwärtsspirale heiße Eigeninitiative und gelte für alle, die in den vergangenen Jahrzehnten bei vollem Lohnausgleich immer weniger Stunden arbeiten mussten. "Mehr Stunden arbeiten fürs gleiche Geld, dadurch wird Arbeit wieder kostengünstiger und die Nachfrage nach Arbeit steigt an. Mehr Nachfrage bedeutet auch mehr Arbeitsplätze. Dadurch erhöht sich Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstunden und der Sozialkostenblock verteilt sich wieder auf eine größere Anzahl von Schultern" fordert Michael Trapp. 

Das mache Arbeitsleistung in Deutschland wieder erschwinglicher und international konkurrenzfähig. Die Alternative zur Mehrarbeit sei sonst für einen weiter wachsenden Teil der Gesellschaft die Arbeitslosigkeit. Mehrarbeit heiße aber auch mehr Lebensarbeitszeit, früher ins Berufsleben und später in Rente.    

Innerhalb der vergangenen 30 Jahre habe sich die Jahresarbeitszeit in Deutschland um 25% verringert. Waren es 1970 noch 1.956,4 Stunden, die innerhalb eines Jahres durch die Arbeitnehmer geleistet wurden, sind es 2003 noch 1.445,5 Stunden. Der Grundgedanke der Gewerkschaften der 70er Jahre, die weniger werdende Arbeit durch die Verkürzung der Arbeitszeit auf mehr Menschen zu verteilen und somit einen Beitrag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit zu leisten, war erfolglos. Denn zeitgleich mit der Arbeitszeitreduzierung stieg die Arbeitslosenquote von 0,7% im Jahr 1970 auf 3,8 % im Jahr 1980 und blieb seit 1994 auf zweistelligem Niveau. In 2003 lag sie bei 11,6 %. (siehe Grafik) "Deutschland leistet sich in seinen Tarifverträge seit Jahren als Normalmaß die ¾-Stelle bei Vollzeitkosten. Wir arbeiten Teilzeit, werden für Vollzeitjobs entlohnt, bei Vollzeit-Nebenkosten, das kann sich auf Dauer nicht rechnen", so Trapp. Die Wochenarbeitszeit in Deutschland sei mit durchschnittlich 36 Stunden eine der niedrigsten weltweit. Kein vergleichbares Land habe so viele bezahlte Urlaubs- und Feiertage wie Deutschland. Teile man die Jahresarbeitszeit des Jahres 2003 durch 52 Wochen, so ergeben sich knapp 28 Wochenstunden. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre habe sich die Jahresarbeitszeit in Deutschland um 25% verringert. Waren es 1970 noch 1.956,4 Stunden, die innerhalb eines Jahres durch die Arbeitnehmer geleistet wurden, sind es 2003 noch 1.445,5 Stunden. Der Grundgedanke der Gewerkschaften der 70er Jahre, die weniger werdende Arbeit durch die Verkürzung der Arbeitszeit auf mehr Menschen zu verteilen und somit einen Beitrag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit zu leisten, war erfolglos. Denn zeitgleich mit der Arbeitszeitreduzierung stieg die Arbeitslosenquote von 0,7% im Jahr 1970 auf 3,8 % im Jahr 1980 und blieb seit 1994 auf zweistelligem Niveau. In 2003 lag sie bei 11,6 %. (siehe Grafik) "Deutschland leistet sich in seinen Tarifverträge seit Jahren als Normalmaß die ¾-Stelle bei Vollzeitkosten. Wir arbeiten Teilzeit, werden für Vollzeitjobs entlohnt, bei Vollzeit-Nebenkosten, das kann sich auf Dauer nicht rechnen", so Trapp. Die Wochenarbeitszeit in Deutschland sei mit durchschnittlich 36 Stunden eine der niedrigsten weltweit. Kein vergleichbares Land habe so viele bezahlte Urlaubs- und Feiertage wie Deutschland. Teile man die Jahresarbeitszeit des Jahres 2003 durch 52 Wochen, so ergeben sich knapp 28 Wochenstunden. 

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"Kein Wunder, dass das Verhältnis zwischen erbrachter Leistung pro Arbeitsplatz und aufgewendeten Gehalts- beziehungsweise Lohnnebenkosten, völlig aus dem Gleichgewicht ist" Die Arbeitszeit wurde auf 75% reduziert, die Kosten blieben auf 100%. Dazu kommen noch die Abgaben für Rente, Kranken- und Sozialversicherung. Auch diese sind auf dem hohen Niveau geblieben, denn sie werden prozentual zum Lohn berechnet.", so der engagierte Mittelständler. "Kein Wunder, dass das Verhältnis zwischen erbrachter Leistung pro Arbeitsplatz und aufgewendeten Gehalts- beziehungsweise Lohnnebenkosten, völlig aus dem Gleichgewicht ist" Die Arbeitszeit wurde auf 75% reduziert, die Kosten blieben auf 100%. Dazu kommen noch die Abgaben für Rente, Kranken- und Sozialversicherung. Auch diese sind auf dem hohen Niveau geblieben, denn sie werden prozentual zum Lohn berechnet.", so der engagierte Mittelständler. 

"Mitverantwortlich sind hier, neben den Gewerkschaftsfunktionären, vor allem die Arbeitgebervertreter aus den großen deutschen Unternehmen. Sie geben in den Tarifkartellen den Ton an und erkaufen sich den Betriebsfrieden durch immer neue Zugeständnisse in der Arbeitszeitverkürzung. Im Hintergrund das Kalkül, die tariflichen Regelungen durch die Verlagerung der Produktion ins Ausland umgehen zu können."

Die Reduzierung der Arbeitszeit, wie sie seit Anfang der 70er Jahre durch die Gewerkschaften durchgesetzt werde, stützte sich auf die Argumentation, dass durch die fortwährende Rationalisierung, immer weniger Menschen für die Herstellung aller benötigten Produkte gebraucht werden. Daher sollte die weniger gewordene Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung auf mehr Menschen verteilt werden. "Der nachhaltige Haken an der Sache war allerdings die gleichzeitige Durchsetzung des vollen Lohnausgleichs und der vollen Sozialabgaben. Damit wurde Deutschland zum Land mit den kürzesten Arbeitszeiten bei gleichzeitig höchsten Bruttoarbeitskosten pro Stunde. Das Ziel mit der Arbeitszeitverkürzung mehr Menschen in Arbeit zu halten wurde glatt verfehlt.", so der Chef der Mühlheimer KunststoffWerk GmbH." Das betreffe zwar in erster Linie die großen Unternehmen, weil diese fast immer tarifvertraglich gebunden seien. Allerdings seien die wichtigsten Absatzmärkte für den Mittelstand eben die großen Unternehmen und diese wandern zusehends mit der Produktion ins Ausland ab. "Schon ein Blick auf die Lieferscheine unseres Unternehmens macht die Folgen deutlich. Die Anzahl unserer Kunden, die angesichts der enorm hohen Lohnkosten, ihre Betriebsstätten ins Ausland verlagern, steigt ständig an. Damit gehen langfristig auch bei den mittelständischen Zulieferern die Arbeitsplätze verloren. Wie lange wir unsere Sattler-Rohstoffe den Kunden beispielsweise nach Indonesien "hinterher liefern" ist nur noch eine Frage der Zeit. Unsere Kunden wandern ab ins Ausland und unsere Aufträge über kurz oder lang auch!"

Michael Trapp
Geschäftsführer der Sattler KunststoffWerk GmbH
Mühlheim am Main